Schloss Colditz, Mitte des 20. Jh. Foto: Johannes Lange

16.04.1945 - Befreiung von Schloss Colditz
durch die US-amerikanischen Truppen

Rückblick: Rede von David Ray, dem ehemaligen Chef der Colditz Society und dem britischen Veteranenverband zum 70. Jahrestag der Befreiuung von Schloss Colditz am 16.04.2015

Mit dem Beginn des Jahres 1945 begannen die Insassen des Oflag IV C zu diskutieren, wie alles enden würde. Würden die Amerikaner oder die Sowjets als erste da sein? Würden die Gefangenen gewaltsam aus dem Schloss vertrieben werden bevor die so nahe Freiheit winkte? Würden sie das Kriegsende überhaupt überleben?

In Großbritannien gilt Freitag, der 13. wie auch in Deutschland als ein Pechtag. Es war an solch einem Tag, als die Wachen die prominenten Gefangenen mit unbekanntem Ziel abtransportierten. Dem Lagerkommandanten Oberst Prawitt wurde befohlen, die Zerstörung und Räumung durchzusetzen. Oberst Tod, der britische Offiziersälteste, verweigerte den Befehl.
Im Grunde müsste man mit Oberst Prawitt Mitleid haben: das OKW drohte Prawitt mit dem Tod, falls die prominenten Gefangenen fliehen würden und Oberst Tod informierte ihn, dass die Alliierten ihn vors Kriegsgericht bringen würden, falls diesen Gefangenen etwas zustoßen sollte. So gab Oberst Prawitt nach. Alle Gefangenen in Einzelhaft wurden freigelassen – unter ihnen ein zum Tode verurteilter amerikanischer Oberst. Die Gefangenen übernahmen das Waffenarsenal, die Wachen blieben auf Posten, aber mit leeren Gewehren und die Lagerschlüssel wurden Oberst Tod übergeben.

Die Verteidiger der Stadt Colditz versuchten die Muldenbrücke zu sprengen, waren aber nur zum Teil erfolgreich. In der Nacht vom 14. zum 15. April verbrannte der Sicherheitsoffizier, Hauptmann Eggers, alle Akten und belastenden Beweise im Museum. Es ist schwierig sich heutzutage vorzustellen, dass schon am nächsten Tag amerikanische Sherman-Panzer aus Richtung Hohnbach anrückten und US Thunderbolt Flugzeuge um und über dem Schloss heulende Überflüge absolvierten. Eines davon unter dem Niveau der am Fenster der oberen Etage stehenden Gefangenen!
An diesem Tag war ein interessanter Altersunterschied der Verteidiger und Angreifer zu beobachten: die deutschen Verteidiger waren zwischen 14 und 15 Jahre alt, viele von der US-Infanterie 18 oder 19 Jahre; die meisten Gefangenen in den Zwanzigern und Dreißigern, während das Durchschnittsalter der Wachen in den 50er und 60ern lag.

Der Kampf um Colditz war kurz und erbittert. Einige amerikanische Soldaten kamen ums Leben, davon drei erfahrene Zugfeldwebel. Die deutschen Opfer waren hoch und die Stadt wurde schwer beschädigt. Das einzige Todesopfer der Schlosswache war Feldwebel Baer, der südlich vom Schloss von einer Granate getötet wurde. Flaggen wurden gehisst: weiße aus den Stadtfenstern, dann die französische Trikolore und der Union Jack aus den Oberfenstern der Schlosswestseite. Dieser Akt rettete das Schloss vor einer groß angelegten Bombardierung.

Eine unheimliche Ruhe herrschte am Tagesanbruch des 16. April. Die deutschen Verteidiger hatten sich nachtsüber zurückgezogen. An diesem kalten und hellen Tag wurden drei Lager befreit, denn es gab noch zwei weitere Lager in der Stadt. Die GIs sind um 10.00 Uhr ins Schloss gekommen und haben das Schloss in den Händen der Alliierten vorgefunden. Lärm herrschte, als die Gefangenen – und viele von ihnen waren schon viereinhalb Jahre in Haft – endlich die Freiheit erlebten.  Einer sagte, er fühle sich wie neugeboren.

Die Briten haben den Befreiern die Hände geschüttelt, die Franzosen versuchten die Gefangenen auf die Wangen zu küssen. Der Unterschied von den fitten und bewaffneten, jedoch kampfschmutzigen, Soldaten in ihren marsähnlichen Kampfanzügen zu den hageren, blassen und zerlumpten Gefangenen war erschütternd. Auch waren die Gefangenen sehr erstaunt über das harte Vorgehen der Amerikaner den Deutschen gegenüber: „Wollt ihr, dass wir einige dieser Burschen fertig machen und verschwinden lassen“?

Dann kam eine hochattraktive US-Kriegsberichterstatterin in den Innenhof des Schlosses. Die ehemaligen Gefangenen konnten sie einfach nur anstarren!

Anschließend wurde das Segelflugzeug vom Dachboden heruntergetragen, das Funkgerät aus seinem Versteck geholt und in Betrieb gesetzt. Jetzt waren es die ehemaligen Wachen, die nur staunen konnten! Ja, sie hatten überlebt und waren frei und mit englischsprachigen Alliierten – was für ein Gefühl das gewesen sein muss!

Drei Tage später waren alle ehemaligen britischen Gefangenen wieder im Vereinigten Königreich.

Sonderveranstaltungen rund um den 80. Jahrestag der Befreiung

Historischer Filmvortrag von Christoph Kaufmann: Befreiung in Bewegung. Filme aus amerikanischen Archiven

Am 16.04.2025 jährt sich zum 80. Mal die Befreiung von Schloss Colditz durch die amerikanischen Truppen. 

Mit diesem Filmvortrag wollen wir an das Geschehene in den Tagen im April vor 80 Jahren erinnern. Der Tag der Befreiung ist nicht nur ein historisches Ereignis im Schloss Colditz gewesen, sondern für die gesamte Region, für das gesamte Land. Herr Kaufmann verdeutlicht das Erlebte und gibt einen Überblick über alle Handlungen, welche mit der Befreiung zu tun haben.

Als die amerikanischen Truppen am 18. April Leipzig befreiten, begleiteten auch Kameramänner des Signal Corps die Soldaten. Dabei drehten sie unzählige Meter Film im unmittelbaren Umfeld der Kampfhandlungen. Diese wurden vom National Archive der USA digitalisiert und stehen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Wichtige historische Momente wie die Kämpfe am Völkerschlachtdenkmal und der kollektive Selbstmord von Teilen der nationalsozialistischen Führungselite wurden im Bild festgehalten.

Christoph Kaufmann widmete sich diesem Material und herauskam ein ca. einstündiger Videovortrag. Herr Kaufmann war über 30 Jahre im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig tätig und u.a. für die Fotosammlung zuständig. Außerdem ist er Gründungsmitglied der Bürgerinitiative zum Capa-Haus in Leipzig. Dieses ist eines der wichtigsten Leipziger Erinnerungsstätten an den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg, aber auch an den Widerstand und die Befreiung 1945.

 

  • Datum: Samstag, 12.04.2025
  • Zeit: 16:00 - 17:00 Uhr (Sprache: Deutsch)
  • Die Teilnahme ist kostenfrei

Sonderführung zum 80. Jahrestag der Befreiung von Schloss Colditz

Begeben Sie sich auf eine 2-stündige Tour durch das Schloss, wobei sich diese ausschließlich auf die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Oflag IV C bezieht. Erhalten sie einen Einblick in die Räume und erfahren Sie am authentischen Ort mehr über die Kriegsgefangenen selbst und ihren Alltag während der Gefangenschaft.

Unser Gästeführer Toni Kästner zeigt Ihnen unter anderem den Weg auf, welchen die US-amerikanischen Truppen vor 80 Jahren gegangen sind, um Schloss Colditz zu befreien. Bitte beachten Sie, dass ein Großteil der Führung im Außenbereich stattfindet. Tragen Sie daher der Witterung entsprechende Kleidung.

Eine Voranmeldung ist erforderlich!

Die HistoPads sind im Preis inbegriffen, wenn sie im Voraus oder Nachgang der Führung noch einmal individuell das gesamte Museum besichtigen möchten. (Bitte planen sie hierfür mindestens 90 Minuten ein.)

 

  • Datum: Mittwoch, 16.04.2025
  • Zeit: 10:30 - 12:30 Uhr (Sprache: Englisch) & 13:00 - 15:00 Uhr (Sprache: Deutsch)
  • Preis: Erwachsene 15 EUR | Ermäßigt 12,50 EUR
  • Tickets können Sie vorab im Onlineshop buchen.

Ökumenischer Gottesdienst anlässlich der Befreiung des Schlosses vor 80 Jahren

Am 16.4.1945 wurde die Stadt Colditz sowie das Schloss, damals als Offiziersgefangenenlager genutzt, von der Herrschaft der Nationalsozialisten befreit. Seit diesem Tag können die Menschen der Stadt auf eine nunmehr 80-jährige Friedenszeit zurückblicken.

Dies wollen wir in einem ökumenischen Gottesdienst dankbar feiern. Wir wollen um Frieden und Freiheit an unserem Ort in der Zukunft bitten und fragen, wie wir dazu beitragen können. Wir versammeln uns dazu an einem besonderen Ort, der Kapelle im Schloss. Eine wunderbare Möglichkeit, die Schlosskapelle einmal zu besuchen und hier Gottesdienst zu feiern.

Musikalisch freuen wir uns auf den Besuch des Schönbacher Kirchenchores unter der Leitung von Kantor Tom Werzner. Der Gottesdienst wird gestaltet von Pfarrer Leuschner und Pfarrer Jasmer. 

  • Datum: Mittwoch, 16.04.2025
  • Zeit: 17:00 - 18:00 Uhr 
  • Ort. Schlosskapelle
  • Die Teilnahme ist kostenfrei